Monday, September 22, 2008

Kapitel 0 - The Science of Destruction

Magicians and scientists are, on the face of it, poles apart. Certainly, a group of people who often dress strangely, live in a world of their own, speak a specialized language and frequently make statements that appear to be in flagrant breach of common sense have nothing in common with a group of people who often dress strangely, speak a specialized language, live in ... er...

(Ian Stewart, Jack Cohen, Terry Pratchett, "The Science of Discworld")


Fangen wir also am Anfang an. Oder fast am Anfang, nämlich bei kleinen Kindern. Wenn kleine Kinder wissen wollen, wie etwas funktioniert, nehmen sie es auseinander .

Manchmal wissen sie dann, wie es funktioniert (bzw. funktioniert hat), manchmal ist es auch einfach nur kaputt. Fast immer aber kann man etwas dabei lernen (und sei es auch nur, daß man's vielleicht nicht hätte kaputtmachen sollen ).

Dieses Prinzip ändert sich kaum, wenn aus kleinen Kindern mal Wissenschaftler werden (die natürlich üüüüberhaupt keine Ähnlichkeit mehr zu kleinen Kindern aufweisen ) - Wissenschaftler haben nur meistens mehr Arten zur Verfügung, Dinge kaputtzumachen, die Dinge und/oder das Kaputtmachen sind meist etwas teurer und komplizierter, und Wissenschaftler haben mehr Methoden, aus den Teilen etwas zu lernen, anstatt nur "Mamaaaaaaa!! *wääääh*".

Allerdings will der Wissenschaftler die Dinge nicht um des Kaputtmachens willen kaputtmachen, sondern um des Lernens willen. O-Ton mein Prof: "Wir sind ja Wissenschaftler, also wollen wir's nicht nur kaputtmachen, wir wollen auch nachher genau wissen, WIE wir's kaputtgemacht haben."

Natürlich haben Wissenschaftler noch andere Wege gefunden, um über Dinge etwas zu lernen, ohne sie dabei kaputtzumachen, und das ist auch gut so . Nichtsdestotrotz bleibt das gute alte Kaputtmachen immer noch ein wichtiges Hilfsmittel der Wissenschaft.

(Das ist nicht nur in der Physik so, sondern auch in anderen Wissenschaften; die Trennung in einzelne "Wissenschaften" ist ohnehin reine Willkür, aber das ist ein anderer Vortrag. Man kann zB über einen Menschen auch eine Menge lernen, indem man einen kaputtmacht und einen Blick auf die Bestandteile wirft. Bevorzugterweise nimmt man dabei dann allerdings einen Menschen, der vorher schon tot war. Diese Art des Kaputtmachens, um zu lernen, ist Bestandteil jedes Medizinstudiums.)

Um möglichst viel dabei zu lernen, reicht es aber nicht, die Dinge irgendwie kaputtzukriegen, man muß das schon richtig machen. Das fängt mit dem richtigen Werkzeug an. Die meisten haushaltsüblichen Gegenstände wird man mit einem haushaltsüblichen Hammer kaputtkriegen. Will man aber ein Haus kaputtmachen, wird man mit dem Hammer nicht weit kommen, der ist zu klein. Nimmt man aber etwas sehr viel Größeres, läßt beispielsweise einen Asteroiden auf das Haus fallen, dann kriegt man damit zwar das Haus kaputt, aber mindestens noch die Stadt gleich mit, je nach Größe und Geschwindigkeit von dem Ding. Dann ist vom Haus vermutlich auch nicht mehr viel übrig außer einem schönen großen Krater, aus dem man zwar etwas über den Asteroiden lernen kann, aber über das ehemalige Haus auch nichts mehr.

Die erste Faustregel ... äh... Faustrichtlinie beim "richtigen" Kaputtmachen von Sachen durch Draufhauen ist also, daß die Dinge, die man kaputtmachen möchte, und die Dinge, mit denen man auf die anderen Dinge draufhaut, so in etwa die gleiche Größe haben sollten, damit das alles sinnvoll ist. Ich sagte 'in etwa', so genau soll es mal nicht drauf ankommen. Es ist auch nicht in allen Fällen richtig, aber oft genug.

Um etwas über Atome zu lernen, wird man also mit etwas draufballern müssen, was etwa genauso groß ist wie ein Atom. Zum Beispiel andere Atome . Man müßte also einfach ein paar Atome durch die Gegend werfen oder treten können, und damit dann andere Atome treffen, um etwas über Atome zu lernen.
Dazu müßte man aber erst mal ein Hauptproblem lösen, nämlich, wie tritt man überhaupt ein Atom durch die Gegend?

Dies ist dann auch der Titel des nächsten Kapitels.

The senior wizards of Unseen University stood and looked at the door.

There was no doubt that whoever had shut it wanted it to stay shut. Dozens of nails secured it to the door frame. Planks had been nailed right across. And finally it had, up until this morning, been hidden by a bookcase that had been put in front of it.

"And there's the sign, Ridcully," said the Dean. "You have read it, I assume. You know? The sign which says 'Do not, under any circumstances, open this door'?"

"Of course I've read it," said Ridcully. "Why d'yer think I want it opened?"

"Er ... why?" said the Lecturer in Recent Runes.

"To see why they wanted it shut, of course." *)

*) This exchange contains almost all you need to know about human civilization. At least, those bits of it that are now under the sea, fenced off or still smoking.

(Terry Pratchett, "Hogfather")

Sunday, September 21, 2008

Vorwort (zur 2. Auflage) - Panta rhei

Nachdem vor 11 Tagen LHC durch sämtliche Medien und auch durchs Forum geisterte, kam die Idee wieder mal auf, dieses Projekt hier weiterzuführen. Bei Blogigo ist das Ganze ja irgendwann eingeschlafen, zum einen wegen mangelnden Interesses der Leserschaft und zum zweiten wegen meines ständigen K(r)ampfs mit dem Editor.

Im Gegensatz zum ursprünglichen Plan wird es allerdings einige Änderungen geben - die ursprünglich vorgesehene Einteilung in feste Kapitel wird nicht fest sein, sondern fließen, daher auch die Überschrift ("Panta rhei" = "alles fließt"). Ob ich überhaupt noch numeriere und wenn, wie, das wird dynamisch geändert ;). Es gibt schon einige Dinge, die aufeinander aufbauen, aber ich habe beim letzten Versuch gemerkt, daß feste Kapitel nicht so intelligent sind. Stattdessen gibt es rechts die Inhaltsübersicht, wo ich neue Dinge dann einfach einsortieren kann.

Außerdem werde ich die ursprünglichen Posts noch mal stilistisch überarbeiten und mittlerweile sinnlos gewordene Referenzen auf die GH und auf die mittlerweile geänderte Kapiteleinteilung rauswerfen. (Wer mag, kann die Originale bei Blogigo ja noch nachlesen, da bleiben sie liegen, wie sie waren: http://www.blogigo.de/RanwensSpielwiese/.)

Vorwort (zur 1. Auflage) - Was, zum Äther, MACHT ihr da eigentlich??

Long ago in a galaxy far away... wie diese Spielwiese zustande kam:

Nach einigen Fragen der Richtung "was machen Wissenschaftler wie du eigentlich so?" hatte ich beschlossen, eine lose Reihe von Posts zu dem Thema in meinem Heimatforum von www.herr-der-ringe-film.de (einigen auch bekannt als GH *g*) zu schreiben. Ursprünglich hatte ich auch die Inhalte und die Reihenfolge etwa im Kopf; ich wollte einfach das erzählen, was ich normalerweise erzähle, wenn jemand nach meiner Diplomarbeit gefragt hat: "Ich hab ja in der Schule nie Physik kapiert, aber erklär mir doch mal deine Diplomarbeit." ...!!

Nun, das funktioniert zwar, allerdings nicht in drei Sätzen. Mit Stift, Papier, Rumgefuchtel und etwas Schulwissen auf der Seite meines Gegenübers habe ich normalerweise irgendwas zwischen 5 und 10 Minuten gerechnet, je nachdem, ob derjenige nur wissen wollte, was ich mache, oder auch noch, warum ich das mache, was ich mache .

Wenn ich weder gescheit zeichnen noch fuchteln kann, dauert's etwas länger; hier also schon mal ein paar Snickers *hinstell* . Allerdings wollte ich nicht nur über meine eigene Arbeit reden, sondern auch ein bißchen darüber, was Physiker sonst noch so Interessantes machen, so war ja die Frage gestellt. Trotzdem wollte ich mit meiner eigenen Arbeit anfangen, weil vieles davon auch auf andere Physiker zutrifft.

Beim Nachdenken habe ich aber gemerkt, daß ich dem ursprünglich geplanten ersten Teil "Wie tritt man ein Atom?" eigentlich noch ein Kapitel voranstellen sollte, was ich normalerweise in zwei Sätzen abgehakt habe, nämlich "Warum müssen Physiker eigentlich dauernd Sachen kaputtmachen?"

Im Forum kam ich zunächst mal bis zum 2. Kapitel, bevor alle möglichen Ereignisse eingetreten sind, weswegen ich erst einmal nicht weitergeschrieben hatte... aber da das Thema gerade völlig off-topic anderswo wieder aufgetaucht ist, wird alles jetzt hier zusammengesammelt, da können's die lesen, die es lesen wollen, und der Rest kann es lassen; jeder, wie er mag. Live and let live, and have fun!